GEDANKEN ZU GEBISSEN UND DER ANATOMIE DES PFERDEMAULS

Januar 6, 2018 annshorsemanship No comments exist

Heutzutage reiten viele Leute mit einer einfach oder doppelt gebrochenen Wassertrense. Häufig merken sie jedoch auch, dass das Pferd teilweise gestresst auf dieser herumkaut und nicht wirklich zur Ruhe kommt.

Wenn man sich die Anatomie des Pferdemauls anschaut, so wird deutlich, dass wir eine Grundkonstruktion haben, die zwar bei jeden Pferd vorhanden ist, aber bei jedem Pferd doch etwas anders ausfällt.

Das sogenannte Diastema bildet einen wichtigen Teil des Pferdemauls, wenn wir über die Funktionsweise und Lage der Gebisse sprechen. Als Diastema bezeichnet man die Zahnlücke zwischen den Schneide-/Eck- und Backenzähnen des Pferdes. Diese Lücke fällt bei verschiedenen Pferden unterschiedlich aus. Sie kann länger oder kürzer sein und oft finden wir hier die sogenannten Hengstzähne, die sich in dieser Lücke befinden können und bei der Nutzung eines Gebisses stören können.

Quelle: König/Liebich: Anatomie der Haussäugetiere

In dem Teil des Mauls, in dem sich das Diastema befindet, ist der Unterkiefer nur mit Schleimhaut bedeckt. Auch hier können die Unterkieferäste des Pferdes runder oder kantiger ausfallen. Fallen sie kantiger aus, kann man sich durchaus vorstellen, dass ein Gebiss, welches sich viel bewegt (z.B. eine einfach oder doppelt gebrochenen Wassertrense) hier, durch das Reiben auf der Schleimhaut und über die spitzen Kanten Schmerzen verursachen kann.

Dann gibt es Pferde die mehr oder weniger fleischige Lippen besitzen. Bei Pferden mit sehr fleischigen Lippen kann es passieren, dass diese sich nach innen auf die Unterkieferäste legen und dann dort unter dem Gebiss eingeklemmt werden – dies kann auch sehr schmerzhaft sein.

Weiterhin wird häufig nicht beachtet wie dünn oder dick die Zunge des Pferdes ist. Bei einer sehr dicken Zunge und einem niedrig gewölbten Gaumen kann es passieren, dass nur sehr wenig Platz für ein Gebiss bleibt. Bei einer dünnen Zunge kann es wiederum passieren, dass das Gebiss wieder mehr Druck auf die Unterkieferäste ausübt. Das kann jedoch je nach Gebisstyp variieren.

Je nachdem welches Gebiss man verwenden möchte sollte man sich auch unbedingt die Wölbung des Gaumendachs anschauen. Wie bereits erwähnt, kann man dann schon erkennen, dass für manche Gebisse kein Platz sein könnte.

Selbst wenn man im Bosal reiten möchte sollte man vorher sicher stellen, dass sich keine scharfen Kanten an den Aussenseiten der Backenzähne befinden, da auch diese hier Schmerzen bereiten können (mehr Infos zur Anpassung der Hackamore hier).

Meiner Meinung nach werden Gebisse heute oft viel zu willkürlich ausgewählt, ohne einen Blick in das Maul des Pferdes zu werfen. Meist wird nur die richtige Länge ausgewählt und man verlässt sich darauf, dass der Rest schon passen wird, weil ja jeder mit einer Wassertrense reitet. Dass die Verwendung dieser Art von Trense allerdings aus einer Zeit stammt, in der es darum ging schnell ein Pferd kontrollieren und in den Krieg reiten zu können, wird häufig missachtet.

Vor dieser Zeit wurden die Gebisse meist für die Pferde auf Mass gefertigt. Und selbst dann war es möglich, dass das Pferd dieses Gebiss nicht mochte und man noch Änderungen vornehmen musste.

Man kann also noch so sehr auf die Anatomie eingehen, aber wenn das Pferd das Gebiss nicht mag, muss man etwas ändern.

Da man Pferde wunderbar im Bosal ausbilden kann, bevorzuge ich es, Pferde im Bosal anzureiten (mehr Infos hier) um mir später, bei der Umstellung in die Two-Rein, genauestens Gedanken zu machen, welches Gebiss ich auswählen kann um mit meinem Pferd noch feiner zu kommunizieren – denn einzig und allein dafür würde ich mit einem Gebiss reiten.

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